Mein Ur-Ur-Großvater väterlicher Linie  [Kekule-Nr. 32 in der Ahnenliste]

Josef Isenberg (1848–1912)

Obersteiger auf der Zeche Vereinigte Hagenbeck in Altendorf

Geboren am 29. März 1848 in Scharfenberg bei Brilon – gestorben am 15. April 1912 in Essen-Altendorf.


Mein Ur-Ur-Großvater: Josef Isenberg (1848–1912), Obersteiger auf der Zeche Vereinigte Hagenbeck in Altendorf
Mein Ur-Ur-Großvater: Josef Isenberg (1848–1912), Obersteiger auf der Zeche Vereinigte Hagenbeck in Altendorf

Deutschland am 29. März 1848 – der Tag, an dem die liberalen ›Märzministerien‹ eingesetzt wurden. Es waren bewegte Zeiten in Deutschland, in denen die über Jahrhunderte geltende soziale Ordnung der dynastischen Herrschaftssysteme aufgelöst und Deutschland als Nationalstaat neu gegründet wurde. Am 28. März 1849 war Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in der Frankfurter Paulskirche zum »Kaiser der Deutschen« gewählt worden. Ab dem 18. Mai 1848 tagte die erste frei gewählte deutsche Volksvertretung in der Frankfurter Paulskirche. Die Ereignisse dieser Monate sind sozusagen die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland.

Der kleine Ort Scharfenberg bei Brilon am 29. März 1848 – ob man da wohl so viel von der ›großen Politik‹ mitbekam? Zu diesem Zeitpunkt hatten die Scharfenberger vermutlich ganz andere Sorgen, denn rund zehn Monate zuvor war fast der gesamte Ort beim großen Dorfbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1847 in Schutt und Asche gelegt worden. Man hatte zwar ziemlich rasch nach dem Brand mit dem Wiederaufbau des Dorfs begonnen, das nach einem Plan des Briloner Wegebaumeisters Plate unter Aufsicht der Königlichen Regierung gänzlich neu angelegt wurde. Aber sicherlich waren die Spuren der Verwüstung auch im Frühjahr 1848 noch deutlich sichtbar.

Und schließlich: Am 29. März 1848 hatten der Zimmermann Adam Isenberg (1821–1880) und seine Ehefrau Gertrud Niggemann (1820–1901) aus »Potthoffs Haus« am Scharfenberger Mühlenberg noch ganz andere Dinge zu tun, als sich um die ›große Politik‹ zu kümmern: Ihnen wurde an diesem Tag ihr Kind Josef Isenberg geboren. Es war bereits das zweite Kind der Eheleute, die am 22. August 1846 in der Scharfenberger Pfarrkirche geheiratet hatten; das erste Kind – eine Tochter namens Marie – war aber bereits anderthalb Monate nach der Geburt verstorben, was vermutlich nicht zuletzt auch den unwirtlichen Lebensbedingungen nach der Brandkatastrophe geschuldet war.

Josef Isenberg – mein Ur-Ur-Großvater – wurde vier Tage nach seiner Geburt, am 2. April 1848, von Pfarrer Johann Steinhoff in der St.-Laurentius-Kirche Scharfenberg auf den Namen Josef Anton Theodor Isenberg getauft. Die Zeit des Wiederaufbaus im Dorf dürfte prägend für den jungen Josef als Kind gewesen sein. Ob der Vater in seinem Beruf als Zimmermann aus dem Wiederaufbau auch einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen konnte, wissen wir nicht. Doch sicherlich wird der junge Josef durch den Vater auch Einblicke in das Zimmermannshandwerk bekommen haben. Er wuchs quasi als Einzelkind auf, denn er hatte nur eine jüngere Schwester, die erst am 9. November 1864 geboren wurde und damit mehr als 16 Jahre jünger war als er.

Die Zeche Vereinigte Hagenbeck in Essen-West Ende des 19. Jahrhunderts
Die Zeche Vereinigte Hagenbeck in Essen-West Ende des 19. Jahrhunderts

Etwa zur gleichen Zeit wie die Geburt seiner Schwester, also Ende 1864, verließ Josef Isenberg seinen Heimatort Scharfenberg. Die wirtschaftliche Lage im Ort hatte sich nach dem Brand durch den schnellen Wiederaufbau zwar bald deutlich gebessert, doch war die Anziehungskraft der Industrieregionen, allen voran des aufstrebenden Ruhrreviers, so groß, dass viele junge Menschen damals Scharfenberg verließen. Und zu diesen jungen Menschen gehörte auch Josef Isenberg. Nach familiärer Überlieferung soll er zur Ausbildung eine Bergschule im Harz besucht haben, dabei handelte es sich vermutlich um die Ende 1864 zur Bergakademie erhobene Bergschule in Clausthal – eine der seinerzeit führenden Ausbildungsstätten im Berg- und Hüttenwesen. Für die Ausbildung zum Steiger im Bergwesen waren Kenntnisse in der Holzbearbeitung Voraussetzung, denn damals wurde beim Auszimmern der Gruben viel mit Holz gearbeitet. Diese Kenntnisse im Umgang mit Holz hatte der junge Josef Isenberg von seinem Vater Adam Isenberg mit auf den Weg bekommen, der ja als Zimmermann und auch als Wagner in Scharfenberg wirkte. Die Ausbildung auf der Bergakademie dauerte vier Jahre; neben den theoretischen Fächern gehörte auch die Praxis im Bergwerk und in der Hütte zum Lehrkanon.

Nach Abschluss seiner Bergbau-Ausbildung wird Josef Isenberg noch weitere Jahre (möglicherweise auch an anderen Orten) als Bergarbeiter Praxiserfahrung gesammelt haben. Spätestens 1872, also in seinem 24. Lebensjahr, ließ er sich in Essen nieder. Im Essener Adressbuch ist er erstmals 1872 als Bergarbeiter, wohnhaft in der Kastanien-Allee 11, also direkt an der St.-Gertrudis-Kirche im Essener Nordviertel, verzeichnet. Im gleichen Jahr wurde er als Steiger (Bergbeamter) auf der traditionsreichen Zeche Vereinigte Hagenbeck in Altendorf bei Essen angestellt. Dort in der Altendorfer Zeche hatte man bereits seit 1837/42 im Tiefbau Steinkohle abgebaut – bereits 1850 war der Hagenbeck’sche Betrieb mit einer jährlichen Kohlenförderung von 75.000 Tonnen die zweitgrößte Zeche des Ruhrreviers gewesen; in den folgenden Jahren vervielfachten sich die Fördermengen.

Josef Isenbergs Ehefrau: meine Ur-Ur-Großmutter Antonia Brüggenschmidt (1862–1935)
Josef Isenbergs Ehefrau: meine Ur-Ur-Großmutter Antonia Brüggenschmidt (1862–1935)

Doch in Altendorf fand Josef Isenberg nicht nur Arbeit, sondern gründete auch eine eigene Familie. Denn hier lernte er in den 1870er Jahren die Tochter des 1877 jung verstorbenen Gastwirts und ehemaligen Steigers Anton Brüggenschmidt (1828–1877) kennen, der gebürtig aus Püsselbüren bei Ibbenbüren kam und sich um 1867 in Altendorf niedergelassen hatte: Antonia Brüggenschmidt war am 21. Januar 1862 in Eppinghofen bei Mülheim a. d. Ruhr geboren worden, wo ihr Vater zu diesem Zeitpunkt als Bergmann gearbeitet hatte.

Die Hochzeit des zu diesem Zeitpunk 33-jährigen Josef Isenberg und der erst 19-jährigen Antonia Brüggenschmidt fand am 12. Oktober 1881 in der Rektoratskirche St. Mariä Himmelfahrt in Altendorf statt. Diese Kirche war 1872 als Notkirche für die in dieser Zeit stark anwachsende Bevölkerung in Altendorf erbaut worden. Als die Pfarrei Ende der 1880er Jahre zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde und der Bau der großen Pfarrkirche, des »Altendorfer Doms«, folgte, war Josef Isenberg hierbei als Rendant der Pfarrei einer der federführend Verantwortlichen.

Während Josef Isenberg quasi als Einzelkind aufgewachsen war, wurde er selbst Vater einer ausgesprochen kinderreichen Familie. Das erste Kind der Eheleute Josef und Antonia Isenberg wurde acht Monate nach der Hochzeit, am 15. Juni 1882, geboren und erhielt, wie der Vater, den Namen Josef Anton Isenberg – mein Ur-Großvater. Es sollten in den kommenden 22 Jahren noch elf weitere Kinder folgen, von denen vier im Kindesalter verstarben:

Blick in den »Altendorfer Dom«, mit dem Josef Isenberg und seine Familie eng verbunden war
Blick in den »Altendorfer Dom«, mit dem Josef Isenberg und seine Familie eng verbunden war

  • Josef (15.06.1882 – 24.01.1968),

  • Antonie (19.12.1883 – 01.11.1887),

  • Johannes (05.09.1885 – 28.12.1970),

  • Mathilde (16.10.1887 – 12.09.1956),

  • Egon (01.11.1889 – 27.04.1896),

  • Antonie (11.12.1891 – 01.10.1988),

  • Maria (19.12.1893 – 19.09.1962),

  • Egon (26.11.1896 – 05.03.1915),

  • Aloysius (08.05.1898 – 18.07.1964),

  • Franz  (05.06.1900 – 11.09.1900),

  • Alphons (06.03.1902 – 24.07.1902) und

  • Alphons (25.02.1904 – 29.05.1990, später mit dem Ordensnamen Jordanus).

Spätestens seit der Hochzeit wohnte Josef Isenberg mit seiner Frau Antonia (geb. Brüggenschmidt) in einem Beamtengebäude der Zeche Vereinigte Hagenbeck mit der Adresse Altendorf II 141 (d. h. Sektion 2, Haus Nr. 141), in unmittelbarer Nähe zur Zeche und auf der gegenüberliegenden Straßenseite zur Gastwirtschaft Brüggenschmidt im Hause II 149 (ab 1902 Helmholtzstraße 72, da wo sich heute das Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung, In der Hagenbeck 64, befindet). Einem Bericht der Essener Volkszeitung zufolge brannte der Dachstuhl des Hauses, in dem auch die Familie des Schmiedemeisters Heinrich auf'm Keller wohnte, am 7. August 1884 völlig ab; dank des beherzten Eingreifens der Feuerwehren konnte eine weitere Ausbreitung des Feuers aber verhindert werden, so dass die Wohnungseinrichtung weitgehend gerettet wurde und die Familie hier auch die kommenden Jahre wohnen konnte.

Neben seinem Hauptberuf als Steiger engagierte sich Josef Isenberg auch im gesellschaftlichen Leben des aufstrebenden Orts Altendorf und bekleidete mehrere öffentliche Posten. Durch die Entwicklung der Krupp-Fabriken stieg die Bevölkerung Altendorfs im 19. Jahrhundert explosionsartig an, 1874 wurde die Bürgermeisterei Altendorf als größte Landgemeinde Preußens gegründet, seit 1901 ist Altendorf ein Stadtteil im Westen der Stadt Essen. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus der Bürgermeisterei Altendorf ließ sich Josef Isenberg 1888 zum Stellvertreter wählen, 1892 und 1898 wurde er erneut (ohne Gegenstimme) in den Gemeinderat gewählt. Darüber hinaus war er ab 1896 auch für sechs Jahre Abgeordneter im Kreistag. Außerdem engagierte er sich im Vorstand des Gewerbevereins Altendorf sowie als Geschworener am Schwurgericht.

Einen wichtigen Posten bekleidete Josef Isenberg überdies in der 1889 neu gegründeten Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Altendorf: In der Gründungssitzung des Kirchenvorstands am 6. November 1889 wurde er zum Rendanten gewählt, wodurch ihm die Aufsicht über die Finanzen der Kirchengemeinde oblag, was in Zeiten des Baus der neuen St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche (»Altendorfer Dom«) natürlich von besonderer Bedeutung war. Darüber hinaus engagierte er sich im Katholischen Arbeiterverein; seine Frau Antonia war im katholischen Frauenverein in Altendorf aktiv.

Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums als Beamter der Zeche Hagenbeck wurde Josef Isenberg im Oktober 1897 »in Anerkennung seiner treuen Dienstleistung« durch den Grubenvorstand vom Steiger zum Obersteiger der Zeche Vereinigte Hagenbeck befördert.

Im folgenden Jahr 1898 (dem Jahr der Übernahme der Zeche durch den Mülheimer Bergwerks-Verein) zog die Familie Isenberg in eine neue Wohnung mit der Adresse Altendorf II 133/1. Mit der Eingemeindung Altendorfs nach Essen im Herbst 1902 erhielt das Haus die neue Adresse Hagenbeckstraße 96 (im Adressbuch 1902 ist die Adresse zwischenzeitlich mit Sälzerstraße 133/1 bezeichnet). Das Haus war das (von der Röntgenstraße aus) fünfte und letzte in einer Reihe von mehreren Häusern ganz unmittelbar vor der Zeche (heutige Adresse: In der Hagenbeck 20). In diesem Haus, das der Zeche Hagenbeck gehörte, wohnten auch die Familien des Obersteigers Hugo Pabst und des Zechenboten Bernhard Janßen.

Die Familie Isenberg gehörte im Altendorf des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zu den hoch angesehenen Familien des Essener Stadtteils. Josef Isenberg hatte sich mit Eifer und Zuverlässigkeit vom einfachen Zimmermannssohn aus einem kleinen westfälischen Dorf zu einer wichtigen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in einem der zentralen Industrieorte des Ruhrgebiets entwickelt. Dabei wurder er von seiner 14 Jahre jüngeren Ehefrau stets treu unterstützt. Sie war »ihren Kindern eine unvergeßliche, gute Mutter«, wie es später in ihrer Todesanzeige zu lesen ist. Die Familie pflegte stets eine sehr enge Bindung zur katholischen Kirche, so wundert es auch nicht, dass mehrere Kinder später in kirchlichen Diensten standen, darunter mein Urgroßvater Josef als Küster am »Altendorfer Dom« sowie der jüngste Sohn Alphons als in der Volksmission engagierter Ordenspriester.

Gesundheitlich angeschlagen beendete Josef Isenberg im Laufe des Jahres 1909 seinen aktiven Dienst auf der Zeche, womit die Familie allerdings auch nicht mehr in der Beamtenwohnung in der Hagenbeckstraße wohnen bleiben konnte. Es ergab sich jedoch die Möglichkeit, eine Wohnung im Haus von Antonias Schwager Wilhelm Nordmann (dem Mann ihrer Schwester Emma) zu beziehen. Hier wohnte die Familie Isenberg, bei der zu diesem Zeitpunkt noch mindestens fünf Kinder mit im Hause waren, ab 1909 in der Oberdorfstraße 151 (heute Nr. 6), eine Straßenecke vom »Altendorfer Dom« entfernt.

Doch Josef Isenberg waren hier nur noch wenige Jahre vergönnt. Nach längerer Krankheit verstarb er im Alter von 64 Jahren am 15. April 1912. Sein jüngster Sohn Alphons war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Jahre alt. Und seinen ältesten Enkel, meinen am 30. Dezember 1911 geborenen Großvater Josef Isenberg, hatte er soeben noch erleben dürfen.

Der Obersteiger Josef Isenberg wurde drei Tage nach seinem Tod, am 18. April 1912 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem katholischen Friedhof der St.-Mariä-Himmelfahrt-Gemeinde in Essen-Altendorf beigesetzt. Der Grabstein der Familiengrabstätte ist bis heute noch dort zu sehen – als Rendant der Kirchengemeinde steht ihm die Grabstätte ›auf Ewigkeit‹ zu. Seine Ehefrau, die Witwe Antonia Isenberg, geborene Brüggenschmidt, überlebte ihren Mann um rund 23 Jahre und blieb bis zu ihrem Tod in der Oberdorfstraße wohnen – sie verstarb am 14. März 1935.


Ahnenlinie:

Adam Isenberg (12.07.1821 – 04.06.1880) ⚭ Gertrud Niggemann (18.04.1820 – 27.06.1901)

               |

Josef Isenberg (29.03.1848 – 15.04.1912) ⚭ Antonia Brüggenschmidt (21.01.1862 – 15.03.1935)

               |

Josef Isenberg (15.06.1882 – 24.01.1968) ⚭ Katharina Gawenda (27.11.1884 – 17.07.1936)

               |

Dr. Josef Isenberg (30.12.1911 – 14.05.2007) ⚭ Anita Limper (25.07.1913 – 07.10.1983)

               |

Dr. Erwin Isenberg

               |

Dr. Gabriel Isenberg


» Ich freue mich jederzeit über ergänzende Informationen und Materialien. Schreiben Sie mich gerne an!